Hans-Jürgen Westphal singt

Lieder am Vorabend I

Mit der Einstufung in der Tasche begannen unsere Auftritte. Typisch für die damalige Zeit war die Verwendung von farbigem Licht. Wir hatten uns eine aufwendige Lichtanlage selber gebaut. Dazu gehörte auch die beliebte „Ultraschau“, ein bläuliches Licht was bestimmte Farben besonders erstrahlen läßt. In der Regel spielten wir an den Sonnabendabenden in einem Saal und am Sonntagnachmittag im Anklamer Jugendclub zum „Jugendtanz“. Nie waren wir alleine unterwegs, immer war ein Freundeskreis dabei, besonders natürlich die Mädchen. Vielleicht war die ganze Band nur dazu da, um die Aufmerksamkeit der Mädchen zu erregen, ihr Wohlwollen, ihre Wertschätzung, in den Pausen ihnen in die schönen Augen zu sehen, ihr Lachen zu hören, mit ihrer Zärtlichkeit verwöhnt zu werden. Die Mädchen, die Mädchen. Sie waren wunderschön. Ich habe wirklich das große Glück eines dieser Mädchen zur Frau zu haben. Ein Mädchen aus der Deutschen Demokratischen Republik. Ein großer Spaß war für uns immer nach dem Jugendtanz das Ausfüllen der AWA-Liste. Die AWA, Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte war ein Papiertiger, den wir entsprechend behandelten. Es ging im Kern um den Versuch „60 zu 40“ durchzusetzen. Wie weit uns dieser Widerspruch, dass tatsächlich sozialistische Musik, sozialistisches Lebensgefühl behindert wurde, bewusst war, zeigte sich an den 60% DDR-Titeln, die wir angaben. Zum Beispiel stand der Titel „Karneval in Rio“ ständig auf unserer Liste, ein Titel, von dem unser Melodiegitarrist wusste, dass es ihn gab. Weitere „DDR-Titel“ waren. „Wie ein Stern in einer Sommernacht“, „Primavera in Florenz“, „Gänselieschen“, „Kleines Haus am Wald“ und „Man müsste noch mal Zwanzig sein“. Wir lachen über die „Kinderkrankheiten“ des Sozialismus.

In viele Gesichter sehe ich heute, denn ich stehe auf der Straße. Schönheiten sind selten. Es gibt sie aber, als den lebenden Protest zur kapitalistischen Gesellschaft. Katharina, Franziska, …<weiter>

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