Gesungen wurde damals nur englisch und zwar ein pseudoenglisch an dem sich Briten totgelacht hätten. Das pseudoenglisch war nicht weiter schlimm, denn in der Schule wurde als Fremdsprache russisch gelehrt. Die wenigsten konnten englisch. Der Text war tatsächlich unwesentlich. Entscheidend war die Musik, die mit ihr verbundene lebensbejahende, große Kollektivität und Freundschaft, die Heiterkeit, die Lebensfreude. Unbedingt dazu gehörte auch eine gewisse Raffinesse. Die Titel mussten „kleine Kunstwerke“ sein. Verpönt war das Triviale. Die Schwierigkeiten vor der Einstufung waren einmal die fehlende Zeit 60% des Programms neu zu gestalten, noch mehr aber der Mangel an DDR-Musik, die uns gefallen hätte. Wir schnitten kurzerhand Schlager im Radio mit und übten sie uns ein, Schlager von Frank Schöbel zum Beispiel. Mir ist erst viel, viel später klar geworden warum uns die Beatmusik gefiel, aber die Schlager abstießen. Die damalige Beatmusik entsprach, obwohl sie vorwiegend aus den kapitalistischen Staaten Großbritannien und USA kam, tatsächlich einem sozialistischen Lebensgefühl. Kollektivität, Lebensbejahung. Intelligenz, Heiterkeit. Die Schlager von Schöbel und Konsorten glichen den Schlagern der BRD. Diese Schlager waren kapitalistische Kunst mit einem sozialistischen Feigenblatt. Heute, sieben Jahre nach der Konterrevolution, geben sich Schöbel und Konsorten genau so wie schon damals, nur ohne das sozialistische Feigenblatt. Sie zeigen gerade mit dieser Kontinuität, wie passgerecht ihre Kunst sich dem kapitalistischen System einfügt. Bei der Einstufung wurde also damals in Wahrheit 60% kapitalistische Kunst, die Schlager. und 40% sozialistische Kunst, die englischsprachige Beatmusik gespielt. Eine Ahnung von diesem Widerspruch ist uns schon damals aufgegangen, denn wir empfanden ‚.60 zu 40“ als dem Sozialismus fremd. Die Einstufung wurde dennoch für uns ein Erfolg. Wesentlich trugen unsere Fans dazu bei. Besonders die Mädchen klatschten und kreischten, wenn sie auch bei den Schlagern uns zu liebe Begeisterung spielten. Sieg! <weiter>