Kurze Zeit später fanden unsere Proben im Kulturraum des Kulturhauses statt. Waren bisher bei den Proben einige Schülerinnen und Schüler der Klasse dabei, wurden sie nun allgemeiner Treff der Jugend, auch aus entfernteren Dörfern kamen Interessierte. An den Mädchen waren wir natürlich besonders interessiert. Ja, die Mädchen! Besonders waren zwei blonde Schönheiten, Christa und Christel, immer dabei und manch ein Junge kam mehr zu den Proben, um sie zu sehen als uns zu hören. Der Minirock war Mode. Nichts verbarg die jugendliche Schönheit der Mädchen und wir genossen ihre Schönheit sehr. Das Beisammensein war auch von großer Heiterkeit geprägt. Späße, besonders geistreiche Spaße, standen hoch im Kurs und so begannen mein Bruder und ich lustige Begebenheiten und Witze in ein großes schwarzes Buch einzutragen. Karikaturen gesellten sich dazu. Die späteren wurden sogar noch koloriert. Bei den Proben wurden die einzelnen Titel auf Tonband aufgezeichnet. Die Tonbandgeräte damals waren nicht automatisch wie die Geräte heute, es musste am Gerät die Aufnahmestärke eingepegelt werden. Christa und Christel wurden unsere Tonmeister. Nach den Proben wurden die Titel abgespielt. Sie wurden begutachtet, Vorschläge wurden unterbreitet, die Reihenfolge der Titel für den Auftritt festgelegt. Oft tanzten wir noch nach den Proben. Doch das Ziel, der Auftritt, wurde nicht vergessen. Wir waren nach anderthalb „Probenjahren“ soweit und als wir die richtigen Verstärker hatten und ein richtiges Hallgerät, meldeten wir uns zur Einstufung an. Es war damals nicht möglich ohne eine Einstufung auf einer Bühne öffentlich zu spielen und diese Einstufung bereitete uns unerwartete Schwierigkeiten. Die Jury forderte ein Programm „60 zu 40“. Das hieß, 60% der Titel mussten aus DDR-Produktion stammen. 40% durften nur „aus dem NSW“ sein. Wir hatten nämlich nur „Westtitel“ einstudiert. Es war kein deutschsprachiger dabei. <weiter>